PROTAGONIST IM UNTERRICHT: WESSEN SZENE IST ES? | DANIELLA BARBOSA BUTTLER | 26/03/2018

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Der Mittelpunkt des Unterrichts: Wem gehört diese Szene?

"Ich höre, ich vergesse;
Ich verstehe, ich erinnere mich;
Ich tue es, ich lerne es.".”

Konfuzius

Es gibt eine lange Diskussion darüber, welche Art von Unterricht am besten geeignet ist und welche unterschiedlichen Methoden angewandt werden sollen, wie etwa aktives Lernen, Unterrichtslabor, Gruppenarbeit, Simulationen, körperlicher und künstlerischer Ausdruck, PBL (Problem-Based Learning), Projekte, Unterricht mit vertauschten Rollen, Unterricht auf der Grundlage des körperlichen Ausdrucks. 

Erziehungswissenschaftler und Neuropädagogen verteidigen diese Vielfalt seit langem, weil sie sich davon versprechen, dass die Art und Weise des Lernens und Lehrens damit revolutioniert und das Lernen dynamischer gestaltet werden kann, aber dieselben Wissenschaftler argumentieren, dass der Erfolg jeder dieser Methoden von einer Änderung der Einstellung der Lehrkräfte abhängt - und das ist eine Herausforderung!

Am Colégio Humboldt hat sich eine Arbeitsgruppe mit dieser Frage im Lichte von Hilbert Meyer beschäftigt, einem renommierten deutschen Pädagogen, der lange Zeit an der Universität Oldenburg tätig war und ein starker Verfechter des aktiven Lernens im Klassenzimmer ist.

Das Aufkommen von Technologie und Internet hat die Umsetzung der Methodik erleichtert, da die Schülerinnen und Schüler in ihrem Lernprozess autonomer sind oder es zumindest sein sollten. Die Lernenden von heute sind von vielen Reizen umgeben und haben Zugang zu einer Vielzahl von Inhalten. Noch nie gab es so viele Informationsquellen und so viele Zugänge zu ihnen, wir sollten dabei aber nicht vergessen, dass Information etwas anderes ist als Wissen! Die Figur der Lehrkraft, die mit dem Rücken zum Schüler an die Tafel schreibt, gibt es fast nicht mehr.

Das bedeutet nicht, dass das traditionelle Modell schlecht ist, es bedeutet nur, dass es noch andere Modelle gibt. Bei der traditionellen Methode steht die Lehrkraft im Mittelpunkt des Unterrichts und die Lernenden arbeiten nur wenig mit. Unter traditionellem Unterricht verstehe ich einen Unterricht, in dem die Lehrkraft die ganze oder fast die ganze Zeit mündlich den Stoff erklärt und die Schülerinnen und Schüler eine passive Rolle in der Beziehung zwischen Lehren und Lernen spielen. Es ist, als ob wir eine Datei vom Lehrenden auf den Lernenden herunterladen würden. Es geht uns natürlich nicht darum, irgendeine Methode zu disqualifizieren. Jede einzelne hat ihre Bedeutung und Funktion. Auch wenn im Frontalunterricht die Lehrkraft als "Besitzer des Wissens" und der Lernende als Empfänger in einer sehr begrenzten Rolle auftreten, ist es möglich, dass Schülerinnen und Schüler mit dieser Methode Fähigkeiten entwickeln, die ihnen die Möglichkeit geben, am Unterricht teilzunehmen und Fakten und Informationen auszuwählen, zu ordnen, zu interpretieren und in Beziehung zu setzen.

In dieser Situation ist die Lehrkraft sogar möglicherweise stolz darauf, dass sie sich für die Einzigen halten kann, die in einer Menge von "Unwissenden" Bescheid weiß. Es sei jedoch daran erinnert, dass die im Internet kursierende Information über die Etymologie des Wortes "Student" als "Wesen ohne Licht" falsch ist. Laut dem Wörterbuch Houaiss ist "Student" nämlich derjenige, der unterrichtet wird, ein Schüler". Daher müssen der Schülerinnen und Schüler lernen, „wie man etwas tut" und können damit die effizienteste Art des Lernens erreichen, gemäß der tausendjährigen Weisheit von Konfuzius.

Liebe Leser, es gibt keine absolute Grenze zwischen dem, was wir wissen, und dem, was wir nicht wissen. Keiner von uns ist mit allen Voraussetzungen und Fähigkeiten ausgestattet, niemand ist vollkommen geschaffen. Wir alle sind an irgendeinem Punkt und in irgendeinem Bereich begrenzt. Wir können nicht nur von einem Lehrenden, sondern können auch von Gleichaltrigen lernen, was Vygotsky bereits in den 1930er Jahren sagte, als er sich auf die "Zone der umgebungsnahen Entwicklung" bezog. 

Lernende in derselben Klasse können sich auf unterschiedlichen Wissensniveaus befinden, die manchmal nahe beieinander liegen, manchmal weiter vom geforderten Inhalt entfernt sind. Für den Sprachpsychologen liegt der Schlüssel darin, die Unterschiede zu nutzen und das Potenzial jedes einzelnen Lernenden auszuschöpfen. Diese Unterschiede im Wissen sind für den Prozess des Lernens viel interessanter als die Ähnlichkeiten. Und in diesem Szenario sehen wir, dass die Lehrkraft bereits selbst Prozess durchlaufen hat und daher in der Beziehung mit den Lernenden eine besondere Bedeutung hat. Sie ist vielleicht nicht der Inhaber des Wissens, aber sie kann ein Vermittler sein, ein Wegweiser, und sie wird aus dem Lernzusammenhang nicht verschwinden, sondern sie wird darin eine neue Rolle übernehmen. Der Lehrkraft ist nicht entbehrlich, denn es gibt kein Lernen ohne Unterricht. Wenn anstelle der Bühne, auf der im Frontalunterricht nur einer aktiv auftritt, in einer Klasse die Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt stehen, dann können wir sagen, dass der Klassenraum nun zur Arena der Ort eines Geschehens wird, in dem alle zu sehen sind.

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